ICH BIN FAN, ICH BIN NERD

Portraits und Interviews
Veröffentlicht im Känguru Plus Magazin, April 2024

Tabi, 17, Schülerin
Fan der deutschen Indie-Pop-Band JEREMIAS

Ich kenne JEREMIAS seit drei Jahren, als sie noch recht unbekannt waren. Auf dem ersten Konzert, das ich von ihnen besucht habe, waren vielleicht 200 Menschen. Die größte Show in diesem Jahr war mit 7000 Leuten. Ich fühle mich verbunden mit ihnen, finde mich in den Texten wieder. Die Musik ist super facettenreich – es gibt emotionale Musik und welche, die mich einfach glücklich macht. Ich bin immer mehr in diese Welt eingetaucht und dankbar für alle Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe. Über Social Media sind wir gut vernetzt und treffen uns zu den Konzerten in verschiedenen Städten. Für die Konzerte in Berlin und Hamburg standen wir ab 8 Uhr morgens in der Schlange, Einlass war gegen 18 Uhr. Die 10 Stunden dazwischen gingen ganz schnell vorbei – wir haben gequatscht, Plakate gemalt, Armbänder gebastelt. Natürlich stecke ich viel Zeit und Geld in die Reisen und Konzerttickets, aber das ist es mir auf jeden Fall wert. Ich kellnere und verdiene mein eigenes Geld, das ich dafür ausgeben kann. Für mich lohnt sich das, die Konzerte geben mir einfach extrem viel.

Anna-Lena, 19, Schülerin
Fan der 1. FC Köln Frauen-Mannschaft

Mein Vater ist großer 1. FC Köln Fan, sodass Fußball schon immer ein Teil meines Lebens war. Wir sind früher oft zusammen ins Stadion gegangen. Vor einem Jahr habe ich die Frauen-Mannschaft für mich entdeckt und seitdem nimmt Fußball einen noch größeren Teil meines Lebens ein. Mittlerweile habe ich eine eigene Dauerkarte und bin jedes Wochenende im Stadion zu finden. Zusammen mit dem Fanclub bin ich bei Heimspielen und Auswärtsfahrten immer mit dabei. Ich arbeite neben der Schule 12 Stunden pro Woche im Supermarkt, um mir die Reisen und Tickets leisten zu können. Nach dem Abitur möchte ich meine Trainerlizenz machen. Mir gefällt an Fußball, dass es ein Teamsport ist. Man muss als Team zusammenarbeiten und kann nur als Team gewinnen. Im Stadion passiert so viel auf einmal, es gibt so viele Emotionen, so viel Zusammenhalt. Meine Freunde und Freundinnen außerhalb des Fanclubs interessieren sich nicht so sehr für Fußball. Manche finden, dass ich zu wenig Zeit für andere Dinge habe. Für mich ist Fußball aber einfach das Wichtigste in meinem Leben, Fußball ist meine Freizeit.

Tom, 21, Student
begeistert von Warhammer

Warhammer ist ein Miniaturen Tabletop Spiel, für das man die Figuren selber zusammen bastelt, bemalt und dann mit ihnen spielt. Es vereint also Strategie mit Kreativität. Für mich ist es fast meditativ, die Figuren zu bemalen. Mittlerweile gibt es von Warhammer auch Computerspiele, aber mir macht es mehr Spaß, mich mit Freunden zu treffen, gemeinsam die Figuren zu bemalen und dann zusammen zu spielen. Ich spiele Warhammer, seitdem ich 14 bin und seit gut zwei Jahren arbeite ich neben dem Studium im Warhammer Geschäft. Das ist perfekt für mich, weil ich damit mein Hobby mit Geld verdienen verbinde. Ich bin auf jeden Fall Fan von Warhammer, schaue täglich nach neuen Artikeln und kenne mich gut aus in der Fantasy Welt. Schon in der Schule haben meine Freunde und ich uns die Nerd-Gruppe genannt. Wir sehen das nicht als Abwertung, sondern als Beschreibung. Wir interessieren uns für Computerspiele, Brettspiele, Fantasy – das ist, was ich mag, womit ich mich wohlfühle. Mittlerweile studiere ich Informatik, womit ich in bester Gesellschaft von Menschen mit ähnlichen Interessen bin.

Sofia, 23, Studentin
Cosplayerin

Ich verkleide mich als Lyney von Genshin Impact, ein Open-World-Action-Rollenspiel für das Handy, die Playstation oder den Computer. Lyney ist ein Magier, ein Bühnenmensch, der Leute fasziniert und verzaubert. Für mich bedeutet Cosplay Kreativität, durch die ich mich frei entfalten kann. Mit Cosplay kann ich jede Rolle einnehmen und aus der Realität fliehen. Ich habe mich schon immer für Fantasy, Anime und Cosplay interessiert, mich aber früher nicht getraut, es nach außen zu zeigen. In der Schule wurde ich gemobbt und habe versucht, mich zu verstecken. Seit einem Jahr traue ich mich endlich, mich so zu zeigen, wie ich bin. Zu mir, meiner Leidenschaft, meinem Hobby zu stehen. Mir gefällt es mittlerweile sogar, Aufmerksamkeit zu erregen und angeschaut zu werden. Inzwischen lebe ich nach dem Motto: Ich mache, worauf ich Lust habe – egal, was andere denken. Ich stehe darüber, wenn jemand einen blöden Spruch ablässt. Seitdem ich so selbstbewusst auftrete, bekomme ich hauptsächlich positive Resonanz. In der Cosplay-Szene fühle ich mich verstanden und angenommen. Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich ein extrovertierter Mensch bin, der sich gerne zeigt und über sich spricht. Als Jugendliche konnte ich mich so nicht zeigen – dass das jetzt geht, genieße ich sehr.

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