WORK IN PROGRESS

Portraits und Interviews
Veröffentlich auf bento und Spiegel Online, März 2018

Schornsteinfeger, Bankkauffrau oder Rettungssanitäter: Es gibt körperlich anstrengende Berufe und Büroarbeiten, Halbtagsjobs und 24-Stunden-Schichten. Ich habe Menschen aus verschiedensten Berufen vor und nach ihrem Arbeitstag getroffen und fotografiert.

Die meisten von uns verbringen mehr Zeit auf der Arbeit als mit dem Partner oder der Familie. Manche lieben ihren Job, andere wünschen sich nichts mehr als einen anderen. Doch was machen die Berufe mit denen, die sie ausführen? Wie verändern sie sich im Laufe der Stunden? Am Ende des Tages sind die Haare zerzaust, der Lippenstift verblasst – und vielleicht sehen die Falten im Gesicht ein bisschen tiefer aus als morgens, kurz nach dem Aufstehen. Bei Manchen allerdings scheint der Beruf sie wacher zu machen, ihnen neue Energie zu geben. Die Bilder und Geschichten zeigen: Wir gehen unterschiedlich mit der Tatsache um, dass wir fast alle arbeiten müssen, um leben zu können.

Ayla, Kellnerin, 24

Wir arbeiten in verschiedenen Schichten, sodass ich meist zu Beginn meines Arbeitstages mitten ins Getummel geworfen werde. Ich muss dann erstmal die Situation einschätzen und schauen, wo Hilfe gebraucht wird. Sei es Bestellungen aufzunehmen, hinter der Theke Kaffee zu kochen, Kuchen zu servieren oder aber auch in der Küche auszuhelfen. Ich bin immer da, wo ich am meisten gebraucht werde. Generell arbeite ich sehr gerne hier, nur sonntags ist es etwas stressig: Denn da trifft sich gefühlt ganz Köln zum Kaffee und Kuchen.

Silvia, Bankkauffrau im Bereich Finanzierungen, 29

Mein Arbeitstag startet morgens gegen halb neun. Da ich über den Tag sehr viel sitze, stehe ich allerdings schon um halb sechs auf, um noch vor der Arbeit zum Sport zu gehen. In der Bank habe ich meist zwei Kundentermine und ansonsten Schreibtischarbeit zu erledigen, bei der ich viel denken, rechnen und kalkulieren muss. Mein Feierabend ist eigentlich gegen 17 Uhr, allerdings klappt das nicht immer. Somit habe ich insgesamt sehr lange Tage und bin abends meist müde. Ich freue mich dann auf die Coach und bin froh nichts anspruchsvolles mehr tun zu müssen.

Dennis, Schornsteinfeger, 35

Ich arbeite nun schon über 15 Jahre als Schornsteinfeger, meine Mutter hat mir das damals vorgeschlagen. Daraufhin hab ich ein Schulpraktikum gemacht und wusste sofort, dass das der richtige Beruf für mich ist. Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich und ich habe viel Kundenkontakt. Im Sommer müssen alle Schornsteine gefegt werden, da komme ich teilweise auf 400 Schornsteine pro Tag. Trotzdem ist das eine körperliche Erschöpfung, die sich gut anfühlt – denn ich merke, dass ich richtig gearbeitet und etwas geschafft habe. Außerdem finde ich es sehr schön, wie Fremde auf mich reagieren. Auf der Straße kommen häufig Menschen auf mich zu, um an meinem Knopf drehen oder mir ein Küsschen zu geben. Ist doch super, wenn man sich durch seinen Beruf in ein Glücksbringer verwandelt.

Christian, Rettungssanitäter, 31

Ich arbeite im Schichtdienst. Häufig habe ich eine Zwölf-Stunden-Schicht, sprich von morgens sieben bis abends 19 Uhr. Mein Arbeitstag ist immer sehr unterschiedlich anstrengend, je nachdem, zu welchen Einsätzen wir gerufen werden. Als Rettungssanitäter kommen wir meist als erstes zum Unfallort, müssen die Situation einschätzen und erste Hilfe leisten bis der Notarzt kommt. Manchmal ist es schwer, die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Besonders Kindernotfälle und Verkehrsunfälle sind teilweise sehr heftig. Trotzdem arbeite ich gerne als Rettungssanitäter, denn wir haben jeden Tag die Chance, Menschen in Not zu helfen.

Balthasar, Koch, 30

Da ich bei einer Zeitarbeitsfirma arbeite, wechselt mein Arbeitsplatz und Aufgabenbereich sehr häufig. Meist arbeite ich in Kantinen, da ich mit den Arbeitszeiten besser zurecht komme. Dort habe ich einen geregelten Arbeitsalltag von montags bis freitags tagsüber. Als Koch im Restaurant müsste ich immer dann arbeiten, wenn andere Menschen frei haben. Natürlich ist das Kochen in einer Kantine nicht so spannend und anspruchsvoll wie in einem Sterne-Restaurant, aber das ist okay für mich. Ich erledige lieber meinen Job und probiere dann in meiner Freizeit für mich und meine Freundin neue, leckere Gerichte aus.

Alina, Sängerin, 28

Ich bin Sängerin in der kölschen Karnevalsband La Mäng. In der Session treten wir häufig auf, teilweise bis zu vier mal am Tag. Je nachdem, wie oft wir gebucht werden. Wir treffen uns meistens am Studio mit unserem Techniker und werden dann von unserem Fahrer zu der jeweiligen Eventlocation gefahren. Oft wissen wir nicht, was uns erwartet. Es kann ein Geburtstag in einem Vereinshaus sein oder aber eine große Karnevalssitzung. Mittlerweile bin ich vor einem Auftritt nicht mehr so aufgeregt, aber ich freue immer auf der Bühne zu stehen. Außerhalb der Karnevalszeit schreiben wir neue Songtexte und organisieren alles drumherum. Hauptberuflich arbeite ich als Sozialarbeiterin.

Jonas, Automobilverkäufer, 24

Ich sitze im Verkaufsraum und gehe aktiv auf Kunden zu, um ihnen ein Auto zu verkaufen oder schmackhaft zu machen. Zudem bin ich dafür verantwortlich, dass unser Laden gut aussieht, da er die Marke repräsentiert. Ich hatte heute einen guten Tag, denn es wurde ein Verkauf abgeschlossen. Das passiert – bei guter Arbeit – ungefähr zehn mal im Monat. Auch wenn mein Beruf körperlich nicht besonders anstrengend ist, werde ich jeden Tag neu heraus gefordert. Bei jedem neuen Kunden muss ich die persönlichen Bedürfnisse und Wünsche analysieren um mein Verhalten entsprechend anzupassen. Es ist sehr wichtig, den richtigen Ton zu treffen, denn wir bewegen uns in einem höheren Preissegment und haben anspruchsvolle Kunden. Sympathie spielt auch bei wichtigen Entscheidungen wie einem Autokauf eine große Rolle.

Karolin, Zootierpflegerin, 32

In der neunten Klasse habe ich ein Praktikum im Kölner Zoo gemacht, was mir so gut gefiel, dass ich dort nach dem Abitur meine Lehre als Zootierpflegerin begann. Nun arbeite ich noch immer hier und liebe meinen Beruf. Ich bin zuständig für unsere Huftiere, also Giraffen, Kamele und Zebras. Zu meinem Job gehört es, die Ställe auszumisten, das Futter zu schneiden und den Tieren zu geben. Somit bin ich den ganzen Tag im Kontakt mit Dreck und Schmutz und sehr viel an der frischen Luft, egal bei welchem Wetter. Das ist natürlich körperlich anstrengend und ich freue mich abends auf eine warme Dusche und das Sofa.

Max, Schreiner, 31

Ich arbeite als Schreiner in einem Museum und baue Ausstellungsmöbel: Trennwände, Vitrinen, Sockel und alles, was die Künstler haben wollen. In Ausstellungsphasen ist das sehr stressig, aber es gibt auch ruhigere Phasen. Ursprünglich habe ich BWL studiert, aber festgestellt, dass das garnicht mein Ding ist. Ich bin kein Typ dafür, den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Die handwerkliche Arbeit gefällt mir sehr gut.

Pola, Flugbegleiterin, 27

Mein Berufsalltag ist sehr abwechslungsreich und schnelllebig. Ich muss mich ständig auf neue Personen, Situationen, Orte und Kulturen einstellen. Da ich in vielen verschiedenen Ländern bin und jedes Mal mit anderen Kollegen zusammen arbeite, komme ich manchmal nicht hinterher und vergesse, wo ich vor zwei Wochen war und mit welchen Kollegen ich wann zusammen gearbeitet habe. Trotzdem ist es mein Traumberuf, denn ich habe die Chance die Welt zu bereisen. Zwar habe ich nie viel Zeit vor Ort, aber ich kann bei jedem Besuch eine weitere Sehenswürdigkeit anschauen oder einen neuen Teil der Stadt entdecken. Gerade komme ich aus New York City, übermorgen geht es nach Kanada. Nach einem Flug bin ich meist erstmal etwas überdreht, dann kommt die Müdigkeit.

Lucia, Ärztin in der Chirurgie, 29

Morgens haben wir immer eine Besprechung, in der wir die Patienten durchgehen, die an dem Tag operiert werden. Danach gehen wir auf Visite und sprechen mit den Patienten, wie es ihnen geht. Über den Tag verteilt habe ich verschiedene geplante, oder auch ungeplante Operationen. Ungefähr vier bis fünf mal im Monat arbeite ich in einer 24-Stunden Schicht. Der Tag verläuft wie jeder Andere, allerdings bleibe ich danach über Nacht um in der Notaufnahme zu arbeiten. Heute war es relativ ruhig, ich konnte insgesamt ungefähr drei Stunden schlafen. Wenn ich nach Hause komme, frühstücke ich meist zuerst und gehe dann schlafen.

Mich beschäftigen nicht so sehr konkrete Bilder, an Blut und Wunden gewöhnt man sich schnell. Aber die persönlichen Schicksale meiner Patienten lassen mich manchmal nicht so schnell los. Wenn Jemand an Krebs erkrankt und nur noch wenig Zeit zum Leben hat, ist es immer sehr traurig.

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