CUBA ES LO MAXIMO

Fotografie und Text: Jana Bauch und Annika Eliane Krause
Übersetzung: Milena Reimann, Ronja Terjung, Bea Alcalde
Interviews: Annika Eliane Krause
Buchlayout: Jana Bauch

Seit Mitte der 90er Jahre steigt die Zahl der Touristen in Kuba an. Touristen können nicht nur einfacher einreisen, auch für Kubaner ist eine Ausreise aus ihrem Land theoretisch möglich. Aber fühlen dich die Kubaner frei? Das Leben auf Kuba befindet sich im Wandel, Kommunismus wird zur Vergangenheit. Der Tourismus kurbelt die Wirtschaft an und bringt Veränderung und Ungleichheit mit sich, spaltet die Gesellschaft. Im November 2018 verdient ein Arzt auf Kuba 66 Dollar monatlich, ein Taxifahrer bekommt rund 35 Dollar für eine zweistündige Fahrt. Wie identifizieren sich Kubaner heute mit ihrem Land? Was macht Kubaner glücklich? Die Meinung und Beziehung zu ihrem Land, Kuba – „Lo Maximo“, ist gespalten und wird zur Genereationenfrage.

Magdalena, 63

Kuba ist mein Leben. Ich bin hier geboren, ich lebe hier und ich werde hier sterben. Kuba ist für mich das Höchste. Es gibt nur ein Kuba. Ich bin frei, weil ich machen kann, was ich will und sagen kann, was ich will. Freiheit bedeutet für mich ruhig zu schlafen, ohne Sorgen, dass mir was passiert.

Yaurika, 20

Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber ich mag Kuba nicht. Ich mag es nicht. Wenn ich sage, dass Kuba mein Land ist und mir alles bedeutet, dann sage ich es, weil ich es so gewohnt bin. Ich habe keinen Vergleich. Mir würde es gefallen in ein anderes Land zu gehen, ein anderes Leben zu leben, in eine andere Gemeinschaft einzutauchen und neues kennenzulernen. Letztendlich sehe ich in Kuba nur ein schwaches, zugrunde gehendes Land.

In Kuba heißt der Schlüssel zum Internet ETECSA. Wo es zu fnden ist, erkennt man an langen Schlangen auf großen Plätzen. Am Ende der Schlange werden Prepaid Karten verkauft, die den Zugang in die Welt außerhalb Kubas gewähren. Eine Stunde Internet gibt es für einen Dollar, ein Arzt verdient 66 Dollar im Monat. Auf der Karte wird ein PIN freigerubbelt: der wertvolle Code zu Facebook und Instagram. Die Bänke sind besetzt, Menschen lehnen an den Gebäuden. Wo es ETECSA gibt, stehen Menschen, die auf ihre Handys starren. Ist das Guthaben leer, wird das Handy eingesteckt und der Blick richtet sich nach oben. Zurück zu den verwinkelten Gassen, den teils prunkvollen, teils zerfallenen Häusern, zurück zu den Oldtimern und Menschen in Schaukelstühlen. Zurück nach Kuba, die Insel ohne Amazon Lieferung.

Luis, 57

Kuba ist die beste Insel der Welt. Kubaner sind bodenständige, zugängliche Menschen. Wir suchen keinen Streit oder sind anstrengend und anspruchsvoll. Das ist tief in uns drin, so wurden wir erzogen, das haben wir von unserem Kommandanten.

„Quinceañera“ – spätestens beim rollenden rrr zucken die Mundwinkel nach oben und die Augen bekommen ihr eigenes Leuchten. Ein Wort, das Erinnerungen hervorruft und an Träume erinnert. Ein Fest, das ein Mädchen zur Frau werden lässt. Das Ende der Kindheit als großes Event, der Eintritt in das Erwachsenenleben unter Beobachtung der ganzen Familie. Es wird geschminkt, frisiert und gestylt. Wimperntusche, Lipglos, Haarspray, Krone und ein Kleid aus Tüll. Bunt, pompös und glitzernd. Ein kleiner Raum, voller Fotos gestylter Frauenmädchen. Die Stylistin malt. Vater, Mutter, Cousine, Tante, Fotograf und Assistent in aufgeregter Vorfreude. Konzentration! Lächeln! Hinsetzen! Mit Blumen werfen! Lächeln! Es ist ein ganz besonderer Tag. Seit der Geburt wird dafür gespart, die Bilder hängen groß an den Wänden. Schaut, welch schöne Quinceañera mein wunderbares Mädchen hatte. Ein Mädchentraum, fortgeführt in der Tochter. Ein Fotoshooting für die Ewigkeit, ein Fest für die Tradition. Wie eine Hochzeit, nur allein. Es ist der Moment, in dem es nur um sie geht. Ein Fest des Frauseins, ein Fest der Klischees, ein Fest für das Fest.

Esteban, 20

Kuba ist etwas Einzigartiges. Es ist das einzige Land, indem es keine Probleme im sozialen Zusammenleben gibt. Aber mir fehlt der Austausch mit Menschen aus anderen Ländern, ich hätte gern mehr Kommunikation mit Touristen. Außerdem würde ich gern selbst verreisen, aber das halte ich für sehr unrealistisch. Seit drei Jahren ist es Kubanern zwar offziell erlaubt, auszureisen, aber praktisch hat sich für uns nichts verändert. Wir haben kein Geld und es ist sehr kompliziert, ein Visum zu bekommen – außer in Russland. Ich hoffe, ich werde mal reisen.

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